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Industrielle Verwertung

Die ersten Produkte aus Maisschrot als Kunststoffersatz: Extrudate unterschiedlicher Schüttdichte, Porosierungsmittel in Tonziegeln, Formteile
Die ersten Produkte aus Maisschrot als Kunststoffersatz: Extrudate unterschiedlicher Schüttdichte, Porosierungsmittel in Tonziegeln, Formteile

Für den zunehmenden Einsatz der Kulturpflanze Mais als Industrierohstoff sprechen im wesentlichen folgende Gründe:

  • ein hohes Leistungspotential, das auch zukünftig noch weitere vergleichsweise hohe Steigerungen der Flächenerträge erwarten lässt,
  • eine wirtschaftliche Produktion bei effizienter Ausnutzung der Produktionsfaktoren;
  • eine hochentwickelte Anbautechnik, die auch ökologischen Anforderungen in hohem Maße gerecht wird;
  • eine vielseitige Verwendungsmöglichkeit in der Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln, in der Stärkeproduktion, als Energiepflanze.

Körnermais in der industriellen Stärkeproduktion

Neben Kartoffeln und Weizen zählt Körnermais bereits heute zu den wichtigsten Rohstoffen für die Stärkeproduktion. Für die Erzeugung von ca. 500 Produkten ersetzt pflanzliche Stärke zunehmend fossile, endliche Rohstoffe. Wichtige Einsatzgebiete für pflanzliche Stärke sind folgende Industriezweige:

  • Papier und Pappe
  • Baustoffe
  • Klebstoffe
  • Kunststoffe
  • Chemie
  • Kosmetik
  • Pharmazie

Ihr chemischer Aufbau und die hohe Reinheit machen die Stärke für diese Einsatzbereiche attraktiv. Als besondere physikalische Eigenschaften sind zu nennen: hohes Wasseraufnahme-, Quell- und Filmbildungsvermögen sowie Zähflüssigkeit.

Zunehmende Bedeutung wird der Umweltverträglichkeit stärkehaltiger Produkte beigemessen. Durch die Einarbeitung von Stärkeprodukten in Kunststoffe kann z. B. die Verrottbarkeit des Materials beschleunigt werden.

Die Stärkegewinnung aus Mais wird nach industriellem Maßstab in Verfahren der Nassvermahlung praktiziert. Dabei wird das Maiskorn in seine vier Bestandteile Keim, Protein, Faser und Stärke zerlegt. Neben dem Hauptprodukt Stärke fallen in geringeren Mengen Nebenprodukte an, die Verwendung in der Nahrungs- und Futtermittelindustrie finden.

Anforderungen an den Rohstoff Körnermais:

  • gute Verarbeitungseigenschaften (hohe Ausbeuten)
  • homogene (sortenreine) Partien von mehreren tausend Tonnen pro Tag
  • hoher Ausreifegrad des Kornes
  • geringe Bruch- und Staubanteile
  • bei Verarbeitung von Feuchtmais möglichst kurze Lagerungszeiten

Im Verfahren der Trockenvermahlung werden Ausgangsstoffe für die Nahrungsmittelindustrie gewonnen. Dabei werden nach einer Reinigungsphase Keime und Endosperm mechanisch in mehreren aufeinanderfolgenden Schritten voneinander getrennt.

Das Ziel ist es, je nach Anforderung des Kunden eine höchstmögliche Ausbeute von Grieß und Mehl zu erreichen. Vermahlungsprodukte werden vor allem eingesetzt in folgenden Industriezweigen:

  • Die Brauindustrie im außerdeutschen EU-Raum setzt als Rohstoff Maisgrieß ein.
  • In der Snackindustrie wird Maisgrieß zur Herstellung von Extruderprodukten verwendet.
  • Eine geringere Rolle spielt Maisgrieß für die Alkoholgewinnung.
  • Maisgrits dienen als Grundmaterial für die Cornflakes-Produktion.
  • Maismehl erfährt eine Verwendung im diätetischen Bereich.

Die Rohstoffanforderungen sind je nach Endverarbeitung sehr unterschiedlich und spezifisch, sie betreffen beispielsweise: Feuchtigkeit, Fettgehalt, Korngröße, Extraktausbeute, Kornhärte, Reinheit und Kornfarbe. Generell sind für den Nahrungsmittelbereich besondere Hygienebestimmungen und Rückstandsauflagen zu beachten.

Einsatz in der Futtermittelindustrie

Körnermais ist vor allem für Geflügelfutter und zum Teil auch für Schweinefutter eine Komponente neben anderen Getreiden.

Ein Grund hierfür ist der hohe Futterwert in Verbindung mit hohem Energiegehalt. Im Rückblick auf die letzten Jahrzehnte unterlag der Maisanteil jedoch jährlich starken Schwankungen, die in erster Linie die starken Preisveränderungen widerspiegeln.

Nebenprodukte der Maisverarbeitung sind ebenfalls als Futtermittel geeignet:

  • Maiskeimextraktionsschrot und -kuchen weisen einen hohen Rohprotein- und geringen Stärkegehalt auf; eine Verfütterung ist vorrangig für Wiederkäuer zu empfehlen.
  • Maiskleber und -futtermittel entstehen aus der Stärkeverarbeitung; sie sind eiweißreich und hochverdaulich, als Futtermittel für Wiederkäuer, Schweine und Geflügel geeignet.
  • Maiskleie ist ein rohfaserreiches Nebenprodukt der Maisgrießgewinnung, das sich bei guter Verdaulichkeit teilweise für die Schweinefütterung eignet.

Anforderungen an den Rohstoff bzw. die Sorte:

  • homogene (sortenreine) Partien
  • gute Kornausreife (standortangepaßte Reifegruppe)
  • geringer Bruchkorn-, Spindel- und Staubanteil
  • gute Sortenresistenz gegen Fusarium (Stengel und Kolben)

Die für die einzelnen Verwertungsrichtungen interessierenden Inhaltsstoffe unterliegen starken Jahres- und Standorteinflüssen, die in der Regel die genetischen Unterschiede überlagern. So zeigten sich z. B. an Körnermaisproben des KWS-Sortiments, dass die Eiweißgehalte des Jahres 1994 deutlich höher lagen als in den Vorjahren. Ob es gelingt, durch gezielte Anbaumaßnahmen (z. B. Düngung) oder züchterische Anstrengungen die Qualität von Körnermais gezielt auf die spezielle Verwertung zu verändern, müssen zukünftige Entwicklungen zeigen. Für einen stärkeren Einsatz größerer einheimischer Partien Körnermais setzen sich Erzeugergemeinschaften, das Deutsche Maiskomitee und die Maiszüchter mit verschiedenen Aktivitäten ein.


 
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